Anzeichen für eine Depression

Wir alle haben manchmal mit tiefer Traurigkeit und Angst zu kämpfen, vor allem wenn wir mit einer besonders herausfordernden oder schmerzlichen Situation im Leben konfrontiert sind. Jeder Mensch fühlt sich manchmal überfordert und hilflos. Manchmal können wir dann jedoch in eine Depression abgleiten. Depressionen sind weit verbreitet. Schätzungen zufolge haben 15 von 100 Erwachsenen in Deutschland mindestens einmal im Leben damit zu tun (15 %).

Es ist aber manchmal schwierig, sicher festzustellen, ab wann eine Depression sich verfestigt. Eine Depression ist etwas anderes, als einfach nur traurig oder verstimmt zu sein. Sie ist mit tiefer Niedergeschlagenheit, Antriebs- und Interesselosigkeit verbunden. Es fehlt die Freude am Leben, die Arbeit oder das Lernen fallen schwer und Freunde und Familie werden vernachlässigt.

Wie eine Depression festgestellt wird

Um herauszufinden, ob jemand an einer Depression erkrankt sein könnte, gehen Ärztinnen und Ärzte in zwei Schritten vor: Zum einen fragen sie nach Beschwerden, die auf eine Depression hinweisen können. Zum anderen versuchen sie, andere Erkrankungen oder Probleme auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können.

Es gibt keine sichere Untersuchungsmethode, um eine Depression festzustellen.

Wenn bei jemandem über längere Zeit (mindestens zwei Wochen) mehrere der folgenden Beschwerden anhalten, kann dies auf eine Depression hindeuten:

  • Eine anhaltend gedrückte Stimmung
  • Antriebslosigkeit
  • Verminderte Aktivität
  • Freudlosigkeit und allgemeines Desinteresse (selbst bei Hobbys und anderen Aktivitäten, die zuvor Freude bereitet haben)
  • Ein vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Das Gefühl, an Dingen schuld zu sein, für die man eigentlich nichts kann
  • Müdigkeit
  • Schlafstörungen
  • Appetitlosigkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten

Bei einigen Menschen äußern sich Depressionen vor allem durch körperliche Symptome wie Gewichtsverlust, Schlafstörungen, unerklärbare Schmerzen, Verstopfung oder einem Verlust an sexuellem Interesse. Depressionen können nicht nur mit Mattigkeit, sondern auch mit einer erhöhten Erregbarkeit einhergehen.

Neben den genannten Beschwerden können manchmal auch andere Probleme eine Rolle spielen, etwa ein erhöhter Alkoholkonsum oder eine Suchterkrankung. Depressionen können auch zusammen mit anderen psychischen Erkrankungen auftreten, wie zum Beispiel Angststörungen.

Anzeichen bei Kindern und Jugendlichen

Welche Anzeichen wie stark und wie oft auftreten, ist von Person zu Person und in den einzelnen Altersgruppen unterschiedlich.

Bei Kleinkindern sind Depressionen vermutlich eher selten und schwierig zu erkennen. Kleinkinder, die depressiv sind, weinen häufig, haben keine Lust zum Spielen und sind sehr ängstlich. Die Kinder versuchen, übermäßig lieb und folgsam zu sein. Bei einigen Kindern verzögert sich die Entwicklung.

Schulkinder verlieren häufig das Interesse an Freizeitaktivitäten und verhalten sich ablehnend anderen Menschen gegenüber. Die Kinder haben Wutausbrüche, regen sich schnell über Kleinigkeiten auf und haben ein geringes Selbstwertgefühl.

Bei Jugendlichen ist es schwierig zu unterscheiden, was "normale" Stimmungsschwankungen sind und wann ein Jugendlicher an einer Depression erkrankt ist. Auch gesunde junge Menschen sind manchmal trotzig, aggressiv, gleichgültig, haben wenig Selbstwertgefühl oder ziehen sich zurück - ohne jedoch eine Depression zu haben. Gewichtsschwankungen, Drogen- und Alkoholkonsum, extremes Schlafbedürfnis und Selbsttötungsgedanken können unter anderem auf eine Depression bei Jugendlichen hindeuten.

Schwere Depressionen

Fachleute unterscheiden zwischen leichten, mittelschweren und schweren Depressionen. Anzahl und Ausgeprägtheit der Symptome können Hinweise auf die Schwere der Depression geben. Jemand mit einer schweren Depression könnte sich zudem ernste Gedanken über eine Selbsttötung machen. Wer ernsthaft darüber nachdenkt, sich selbst zu töten, benötigt dringend Hilfe.

Eine besondere Form der Depression ist die bipolare Störung (oft manisch-depressive Störung genannt). Sie ist deutlich seltener als eine Depression. Menschen mit einer bipolaren Störung durchleben abwechselnd Phasen, in denen sie depressiv sind, und Phasen, in denen sie extrem überschwänglich und euphorisch („manisch“) sind. Eine bipolare Störung kann dazu führen, dass Menschen den Bezug zur Realität verlieren und in problematische Situationen geraten.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

  • Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2010 10:57
  • Erstellt am: 14. Oktober 2009 14:24
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