Altersbedingte Makuladegeneration: Was kann eine photodynamische Therapie leisten?
Die Makula (gelber Fleck) ist der zentrale Bereich der Netzhaut des Auges, mit dem wir bei hellem Licht am schärfsten sehen. Das liegt daran, dass in diesem Bereich die lichtempfindlichen Sinneszellen sehr dicht stehen. Mit zunehmendem Alter stirbt in diesem Bereich ein Teil der Sinneszellen ab und wird durch Narbengewebe ersetzt. Wenn der Abbau zu weit fortschreitet, lässt das Sehvermögen spürbar nach. Die so genannte altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Ursache für Erblindung bei Menschen über 65 Jahren.
Ärztinnen und Ärzte unterscheiden nach den Ursachen zwei Formen der AMD: In etwa 8 von 10 Fällen handelt es sich um die "trockene" Variante der Makuladegeneration, in den übrigen Fällen (also etwa 2 von 10) um die "feuchte" Variante. Typisch für dieses Krankheitsbild ist, dass sich im Bereich der Makula neue Blutgefäße bilden, die die Narbenbildung noch beschleunigen. Ärztinnen und Ärzte sprechen deshalb auch von "neovaskulärer AMD". Weitere Einzelheiten können Sie hier nachlesen.
Für die trockene Makuladegeneration gibt es bislang keine Erfolg versprechende Therapie. Für Patienten, die an der feuchten Variante erkrankt sind, gibt es einige Medikamente, die in die Augen gespritzt werden. Dies ist derzeit die wirksamste Therapiemethode. Zu diesen Medikamenten und anderen Behandlungen können Sie hier mehr lesen.
In Kombination mit anderen Behandlungen kann auch die so genannte photodynamische Therapie eingesetzt werden. Dazu wird Patienten alle drei bis vier Monate das lichtempfindliche Medikament Verteporfin in eine Vene gespritzt. Das Medikament breitet sich dann über den gesamten Blutkreislauf aus. Anschließend werden die neuen, unerwünschten Blutgefäße in der Netzhaut durch die Augenlinse mit einem mikroskopisch feinen Laserstrahl bestrahlt. Dort wo das Medikament vom Licht des Lasers getroffen wird, entstehen Giftstoffe, die letztlich die unerwünschten Blutgefäße zerstören. Die Behandlung muss aber so dosiert werden, dass die Netzhaut (Retina) in der Umgebung nicht geschädigt wird.
Um Vor- und Nachteile der Behandlungsmethode beurteilen zu können, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane-Collaboration alle Studien gesucht und systematisch ausgewertet, in denen die photodynamische Therapie erprobt wurde. Sie fanden zwei vom Hersteller des Medikaments finanzierte Studien, an denen nahezu 1.000 Patienten mit neovaskulärer Makuladegeneration teilgenommen hatten.
Nach diesen Studien kann eine photodynamische Therapie die Erkrankung nicht vollständig stoppen, sie kann das Fortschreiten der Sehbeeinträchtigung aber bei einigen Patienten verlangsamen. Aus den Studien lässt sich errechnen, dass sich im Laufe von zwei Jahren ohne Behandlung bei 64 von 100 Patienten die Sehkraft spürbar verschlechterte. Von 100 Patienten, die im Laufe der zwei Jahre fünf Mal mit Verteporfin behandelt wurden, verschlechterte sich das Augenlicht bei 50. Anders ausgedrückt: Etwa 14 von 100 Patienten profitierten von der Behandlung (14 %).
Die Studien geben auch Auskunft über unerwünschte Wirkungen: Bei zwei von 100 Teilnehmern löste die Behandlung mit Verteporfin selbst neue Sehstörungen aus (2 %). Etwa drei von 100 Patienten klagten vorübergehend über Rückenschmerzen (3 %). Wichtig: Weil Sonne das Medikament auch in der Haut aktivieren kann, sollte man nach der Behandlung für mehrere Tage direktes Sonnenlicht meiden. Einige Teilnehmer der Studien erlitten einen Sonnenbrand.
Die Studien zeigen auch, dass die Therapie einen bereits eingetretenen Sehverlust nicht wieder rückgängig machen kann. Nach Einschätzung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist die photodynamische Therapie deshalb eher bei beginnender Makuladegeneration sinnvoll, solange die Sehkraft noch nicht zu stark beeinträchtigt ist. Bei Patienten mit feuchter Makuladegeneration werden die Kosten der Behandlung von den Krankenkassen übernommen.
- Letzte Aktualisierung: 14. Juli 2011 14:41
- Erstellt am: 22. Mai 2006 11:55
- Historie: Liste anzeigen
- Quellen:
Wormald R, Evans J, Smeeth L, Henshaw K. Photodynamic therapy for neovascular age-related macular degeneration. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 3. [Cochrane-Zusammenfassung]
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