Akute Nasennebenhöhlenentzündung: Können Antibiotika helfen?
Bei akuter Nasennebenhöhlenentzündung können Antibiotika meist nicht helfen, weil die Erkrankung in der Regel nicht durch Bakterien, sondern durch Viren verursacht wird. Bei einer schweren Infektion sind Antibiotika jedoch notwendig.
Viele Menschen bekommen mehrmals in ihrem Leben eine Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Sie tritt vor allem in den kälteren Monaten des Jahres auf. Eine Sinusitis kann sehr schmerzhaft sein und auch andere lästige Symptome verursachen. Die Beschwerden dauern meist einige Tage, können aber auch über Wochen anhalten. Die Erkrankung ist eine der Hauptursachen für Fehlzeiten am Arbeitsplatz und in der Schule.
Eine Sinusitis wird oft durch eine Erkältung hervorgerufen. Erkältungen werden meist durch Atemwegsviren verursacht, seltener durch bakterielle Erreger. Es kann nach einer viralen Infektion jedoch zu einer zusätzlichen Besiedlung mit Bakterien kommen. Viren oder Bakterien lösen eine Entzündung aus, die die Schleimhäute anschwellen lässt. Dies kann den Sekretabfluss aus den Nebenhöhlen behindern. Dadurch verdickt sich die Flüssigkeit, und die Hohlräume füllen sich mit zähem, oft gelblich-grünlichem Schleim. Allergien, Nasenpolypen, eine verkrümmte Nasenscheidewand oder ein geschwächtes Immunsystem können eine Sinusitis begünstigen.
Bei einer Sinusitis sind die Nasenwege blockiert, was die Atmung durch die Nase erschwert. Es treten häufig Schmerzen in der Stirn, am Kiefer und um die Augen herum auf, seltener auch an den Zähnen. Die Schmerzen verschlimmern sich meist, wenn man sich nach vorne lehnt – beispielweise beim Aufstehen aus dem Bett. Oft geht eine Sinusitis mit Fieber, Husten und Schleimausfluss aus der Nase einher. Die Erkrankten fühlen sich müde und abgeschlagen. Eine Sinusitis kann akut auftreten und rasch wieder verschwinden, seltener auch dauerhaft (chronisch) bestehen bleiben. Über Atemwegsinfektionen können Sie im gleichnamigen Spezial mehr lesen. Mehr über die chronische Sinusitis erfahren Sie im Merkblatt „Chronische Nasennebenhöhlenentzündung“.
Studien zur Sinusitisbehandlung mit Antibiotika
Zur Behandlung einer akuten Sinusitis werden häufig Antibiotika verschrieben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration wollten wissen, wie effektiv Antibiotika beim Einsatz gegen eine Entzündung der Kieferhöhlen (der häufigsten Form der Sinusitis) bei Erwachsenen sind.
Die Cochrane Collaboration ist ein internationales Forschungsnetzwerk, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Ergebnisse klinischer Studien zu analysieren. Die Forschergruppen werten sogenannte randomisierte kontrollierte Studien aus. Dabei werden die freiwilligen Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer nach dem Zufallsprinzip in Gruppen aufgeteilt, von denen eine die Behandlung erhält und die andere(n) ein Scheinmedikament (Placebo), keine oder eine andere Behandlung. Auf diese Weise ist es möglich, herauszufinden, wie sich die Behandlung auf die Gesundheit der Teilnehmenden auswirkt.
Die Cochrane-Forschergruppe fand 59 randomisierte kontrollierte Studien, von denen die meisten verschiedene Antibiotika miteinander verglichen. Fünf Studien mit insgesamt circa 630 Teilnehmenden untersuchten, wie Antibiotika gegenüber einer Behandlung mit Präparaten ohne Wirkstoff (Placebo) abschnitten. Wenn sich die Symptome nach spätestens ein bis zwei Wochen nicht gebessert hatten, betrachtete die Forschergruppe die Behandlung als erfolglos.
Eine zweite Forschergruppe der Universitätsklinik Basel analysierte Studien danach, ob es Personen gibt, die von einer Behandlung mit Antibiotika mehr profitieren als andere. Sie untersuchten zum Beispiel, ob ein Therapieerfolg wahrscheinlicher ist, wenn bestimmte Symptome wie gelb-grünlicher Nasenschleim vorliegen, die auf eine bakterielle Infektion hinweisen. Der Hintergrund: Es ist relativ aufwändig und teuer, festzustellen, ob eine Sinusitis durch Bakterien oder durch Viren verursacht ist. Bei einem solchen Test wird eine Probe des Nasensekrets im Labor untersucht. Wenn es auch ohne Test möglich wäre, die Art des Krankheitserregers (Viren oder Bakterien) festzustellen, würde dies die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Antibiotika nur dann eingesetzt werden, wenn sie tatsächlich helfen können.
Die Chancen, sich nach zwei Wochen besser zu fühlen, erhöhen sich nur leicht
Die Cochrane-Analyse der Studien zum Antibiotika-Einsatz zeigte, dass eine Sinusitis der Kieferhöhlen in den meisten Fällen auch ohne die Anwendung dieser Medikamente ausheilt:
- Bei 83 von 100 Patientinnen und Patienten, die keine Antibiotika einsetzten, besserten sich die Symptome innerhalb der ersten zwei Wochen.
- Bei 90 von 100 Personen, die Antibiotika einnahmen, besserten sich die Symptome innerhalb der ersten zwei Wochen.
Es ging also zusätzlich 7 von 100 Teilnehmenden durch die Antibiotika besser. In den Studien, die verschiedene Antibiotika miteinander verglichen, war keiner der untersuchten Wirkstoffe einem anderen überlegen.
Bei manchen Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern schienen Antibiotika Magen-Darm-Beschwerden und Hautausschlag verursacht zu haben: Die Angaben hierzu schwankten in den verschiedenen Studien von 2 bis 23 von 100. Dass Teilnehmende die Medikamente wegen starker unerwünschter Wirkungen absetzten, blieb aber die Ausnahme.
Weil eine Sinusitis auch anders behandelt werden kann und in der Regel auch ohne Antibiotika ausheilt, wird der Einsatz von Antibiotika bei dieser Erkrankung vielfach infrage gestellt. Der zu häufige und unsachgemäße Einsatz von Antibiotika hat in den letzten Jahren außerdem dazu geführt, dass sich vermehrt widerstandsfähige (resistente) bakterielle Krankheitserreger ausbilden konnten. Die Entwicklung von Resistenzen bedeutet, dass Antibiotika nicht mehr zuverlässig wirken und manche Erkrankungen heute schlechter behandelt werden können als früher. Mehr zu den Gefahren und zur Vorbeugung von Resistenzen können Sie im Spezial „Antibiotika“ lesen.
Antibiotika sind dann notwendig, wenn Komplikationen drohen
Bei einer akuten Sinusitis ist es möglich, zunächst ein bis zwei Wochen abzuwarten, ob die Symptome von selbst wieder verschwinden. Bessern sich die Beschwerden nicht, bietet es sich an, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen – eventuell mit dem Schwerpunkt Hals-Nasen-Ohrenheilkunde.
Die Schlussfolgerungen aus den Studien gelten für milde bis moderate Formen der Sinusitis. Menschen mit sehr starken Beschwerden wurden nicht in die Studien aufgenommen. Bei ihnen ist eine schnelle Behandlung mit Antibiotika häufig notwendig, da die Symptome auf eine schwere bakterielle Infektion hinweisen können. In diesem Fall ist das Risiko für Komplikationen erhöht. Zu den Anzeichen für einen schweren Krankheitsverlauf gehören: hohes Fieber, Schwellungen um die Augen herum, entzündliche Hautrötungen, starker Gesichtsschmerz, Lichtempfindlichkeit, Nackensteife.
Eine Sinusitis lässt sich nicht nur mit Antibiotika behandeln. Auch schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente, Kortisonsprays, abschwellende Mittel und Inhalationen werden häufig angewendet. Mehr über Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der Sinusitis können Sie im Merkblatt „Akute Nasennebenhöhlenentzündung“ lesen.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Nächste geplante Aktualisierung: März 2015. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie in unserem Text „Gesundheitsinformation.de: Wie unsere Informationen entstehen“.
- Letzte Aktualisierung: 12. April 2012 11:50
- Erstellt am: 09. Februar 2009 15:27
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Ahovuo-Saloranta A, Rautakorpi UM, Borisenko OV, Liira H et al. Antibiotics for acute maxillary sinusitis. Cochrane Database of Syst Rev 2008; (2). CD000243. [Zusammenfassung]
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