Akute Krankheitsschübe bei einer COPD: Können Antibiotika helfen?

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Bei einem schweren akuten Krankheitsschub helfen Antibiotika, die Symptome zu lindern und das Sterberisiko zu senken. Bei leichten bis mittelschweren COPD-Schüben könnten Antibiotika weniger nützlich sein.

Etwa jeder zehnte bis zwanzigste Erwachsene über 40 Jahre hat eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Diese Erkrankung entsteht nicht plötzlich, sondern entwickelt sich langsam über Jahre hinweg. Bei einer COPD sind die Bronchien chronisch entzündet (chronische Bronchitis) und / oder die Lungenbläschen teilweise zerstört (Emphysem). Bei einer fortgeschrittenen COPD ist die Lunge so geschädigt, dass das Atmen schwer fällt. Täglicher Husten, Atemnot bei körperlicher Belastung, pfeifende Atemgeräusche sowie häufige Erkältungen sind klassische Anzeichen einer COPD. Typisch ist, dass zäher Schleim (Auswurf, Sputum) abgehustet wird, der sich in den Atemwegen festgesetzt hat.

Man unterscheidet verschiedene Stadien einer COPD, über die Sie hier mehr erfahren können. Bei einer fortgeschrittenen COPD können auch andere Organe als die Lunge betroffen sein: So kann es zu einer Herzschwäche und infolgedessen zu Flüssigkeitsansammlungen (Ödemen) im Körper kommen. Hinzu kommt eine Muskelschwäche, die die Aktivitäten der Patientinnen und Patienten stark einschränken kann. Mehr Informationen rund um die COPD finden Sie in unserem Spezial.

Bei einer COPD kann es vorkommen, dass sich die Krankheitssymptome plötzlich stark verschlechtern. Solche Krankheitsschübe werden Exazerbationen genannt. Die damit verbundene akute Luftnot kann sehr beängstigend sein. Menschen mit COPD lernen gewöhnlich, wie sie sich bei einem Krankheitsschub am besten verhalten und wie sie Medikamente und Medikamentendosis im Bedarfsfall anpassen können. Es ist wichtig, schwere Exazerbationen so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen, weil sie die Krankheit ankurbeln und bei einer schweren COPD lebensbedrohlich sein können.

Viele Exazerbationen werden durch Erkältungen und andere Infektionen der Atemwege ausgelöst. Verursacher von Atemwegsinfektionen sind gewöhnlich Viren, bei Exazerbationen spielen jedoch relativ häufig Bakterien eine Rolle. Wenn neben Viren auch Bakterien zu den Krankheitserregern zählen, spricht man von einer Mischinfektion. Typische Anzeichen eines schweren Krankheitsschubs infolge einer überwiegend bakteriellen Infektion sind:

  • verstärkte Luftnot,
  • stärkerer Husten als gewöhnlich und
  • mehr Auswurf als üblich und / oder gelb-grünlich verfärbter, eitriger Auswurf.

Studien zur Antibiotika-Wirkung bei akuten COPD-Schüben

Bei akuten COPD-Krankheitsschüben werden oft Antibiotika eingesetzt. Diese Medikamente wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Hier können Sie mehr über Antibiotika lesen.

Eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wollte wissen, welchen Nutzen Antibiotika in der Behandlung von akuten COPD-Exazerbationen haben. Zu dieser Frage fand die Forschergruppe insgesamt 13 geeignete wissenschaftliche Studien. Insgesamt 1500 Menschen mit akuten COPD-Exazerbationen nahmen an den Studien teil. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip in verschiedene Gruppen aufgeteilt und miteinander verglichen: Eine Gruppe erhielt für mindestens drei Tage ein Antibiotikum, die Vergleichsgruppe bekam ein Medikament ohne Wirkstoff (Placebo). Die Teilnehmenden wussten selbst nicht, zu welcher Gruppe sie gehörten.

Bei schweren COPD-Schüben mindern Antibiotika die Sterblichkeit und verbessern die Symptome


Die Auswertung der Studien hat bestätigt, dass eine Behandlung mit Antibiotika bei schweren akuten COPD-Schüben von Nutzen sein kann. Antibiotika halfen insbesondere Menschen mit schweren Exazerbationen, die in einem Krankenhaus behandelt wurden.

Bei einem schweren Krankheitsschub starben weniger Personen, wenn sie Antibiotika erhielten. Außerdem gab es in der Antibiotika-Gruppe weniger Personen, bei denen die Symptome nicht zurückgingen oder die weitere Antibiotika benötigten, verglichen mit der Kontrollgruppe.

Die Forscherinnen und Forscher berechneten, dass etwa vier Personen mit schwerer Exazerbation mit Antibiotika behandelt werden müssen, um bei einer Person zusätzlich einen Behandlungserfolg zu erreichen. Wenn man etwa 14 Personen mit schwerer Exazerbation mit Antibiotika behandelt, wird rechnerisch ein Todesfall verhindert.

Die Einnahme von Antibiotika kann unerwünschte Wirkungen haben wie allergische Reaktionen, Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit oder Pilzinfektionen. Auch bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der analysierten Studien traten unerwünschte Antibiotika-Wirkungen auf. In den meisten Fällen handelte es sich dabei um leichte Magen-Darm-Beschwerden.

Antibiotika-Behandlung bei leichten bis mittelschweren COPD-Schüben

Bei Menschen mit einer leichten oder mittelschweren COPD-Exazerbation, die nicht in einem Krankenhaus behandelt wurden, scheinen Antibiotika nicht zu helfen. Der Grund könnte sein, dass diese nicht immer durch eine Infektion ausgelöst werden oder dass nicht immer Bakterien im Spiel sind. Wenn nicht klar ist, dass es sich um eine bakterielle Infektion handelt, kann eine Antibiotika-Behandlung daher überflüssig sein. Ein nicht notwendiger Einsatz von Antibiotika erhöht jedoch das Risiko unerwünschter Wirkungen und Bildung von Resistenzen.

Der lateinische Begriff "Resistenz" bedeutet "Widerstand". In der Medizin werden Bakterien dann als resistent (widerstandsfähig) bezeichnet, wenn Antibiotika ihnen nichts mehr anhaben können. Wenn eine Antibiotika-Resistenz vorliegt, kann es vorkommen, dass für die Behandlung einer bakteriellen Infektion kein wirksames Mittel mehr zur Verfügung steht und die Infektion fortschreitet. Mehr über die Resistenz-Entwicklung und die richtige Anwendung von Antibiotika können Sie hier lesen.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

  • Letzte Aktualisierung: 26. Februar 2009 17:58
  • Erstellt am: 09. Februar 2009 15:30
  • Historie: Liste anzeigen
  • Quellen:



    Puhan MA, Vollenweider D, Latshang T, Steurer J, Steurer-Stey C. Exacerbations of chronic obstructive pulmonary disease: when are antibiotics indicated? A systematic review. Respir Res 2007; 8: 30. [Volltext]

    Puhan MA, Vollenweider D, Latshang T, Steurer J et al. Where is the supporting evidence for treating mild to moderate chronic obstructive pulmonary disease exacerbations with antibiotics? A systematic review. BMC Medicine 2008; 6:28. [Volltext]

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